Antidepressiva verändern die Persönlichkeit – zum Positiven. Zu diesem Schluss kommt ein Team um Tony Tang von der Northwestern University in Illinois, USA. Sie untersuchten 240 Patienten mit schwerer Depression, die entweder mit dem selektiven Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmer (SSRI) Paroxetin, Placebo oder mit Psychotherapie über jeweils zwölf Monate behandelt wurden. Dabei arbeiteten sie mit der Hamilton-Depressions-Skala und dem Fünf-Faktoren-Modell (Big Five). Letzteres teilt die Persönlichkeit in fünf Faktoren auf: Neurotizismus, Extraversion, Offenheit für Erfahrungen, Verträglichkeit und Gewissenhaftigkeit. Neurotizismus spiegelt die emotionale Stabilität, insbesondere die Verarbeitung negativer Emotionen, wider. Personen mit hohen Neurotizismus-Werten sind anfälliger für psychischen Stress. Extraversion bezeichnet das Ausmaß, in dem ein Mensch aktiv ist und sein zwischenmenschliches Verhalten. Beide Werte werden mit dem Serotonin-Spiegel und dem Depressionsrisiko in Verbindung gebracht.
In der Studie verspürten alle Patienten eine Besserung der Depression. Die Persönlichkeitsmerkmale veränderten sich unter Placebo jedoch nur unwesentlich, während sie sich unter Paroxetin signifikant verbesserten. Der Neurotizismus milderte sich um das 6,8-Fache, während die Extraversion sich um das 3,5-Fache besserte. Die Werte der Psychotherapie-Patienten lagen dazwischen. Tang und Kollegen mutmaßen, dass die Persönlichkeitsveränderung nicht nur auf der Besserung der Depression beruht, wie bislang allgemein angenommen. Vielmehr bewirke das Medikament Persönlichkeitsänderungen, die dem Patienten aus der Depression helfen.
